Stets auf dem Laufenden mit dem kostenlosen Newsletter
ARBEITSSCHUTZuptodate!
Sie lehren Arbeitswissenschaft an der Leibniz Universität Hannover. An wen wendet sich der Studiengang und welche Kompetenzen erwirbt man?
Frank Wattendorff: Ich war von 1980 bis 2011 als Arbeitswissenschaftler im Weiterbildungsstudium Arbeitswissenschaft (WA) am Institut für interdisziplinäre Arbeitswissenschaft beschäftigt und habe dort noch einen Lehrauftrag. Das WA, welches ich im Modellversuch mit aufgebaut habe, wendet sich an betriebliche Praktiker/innen aus arbeitswissenschaftlichen Tätigkeitsfeldern. Dazu gehören Beschäftigte aus dem betrieblichen und überbetrieblichen Arbeitsschutz, der Arbeitsmedizin und der betrieblichen Gesundheitsförderung. Die Kurse finden an Wochenenden und abends statt und können nach einem Baukastensystem individuell belegt werden.
Voraussetzung ist für die Zulassung zum Studium eine mindestens zweijährige Tätigkeit in einem entsprechenden Feld. Durch die Arbeit mit sehr heterogenen Teilnehmern in den Kursen und Projekten des WA wie Sicherheitsfachkräften, Aufsichtspersonen, Betriebsärzten, Beschäftigten aus dem betrieblichen Gesundheitsmanagement dem Personalwesen und der Personalentwicklung sowie Betriebs- und Personalräten konnte ich viele Kenntnisse und Erfahrungen über Erwartungen an den Arbeitsschutz und betriebliche Umsetzungsprobleme sammeln und so immer wieder neue Themen, die den Studierenden auf den Nägeln brennen, in Kursen anbieten.
Ein Erfolgsmodell ist der Arbeitskreis Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz (Name 1983), den ich zusammen mit Kollegen des Instituts seit mehr als 30 Jahren bzw. 60 Semestern anbiete. Heute heißt er Arbeitskreis betriebliches Gesundheitsmanagement. In diesem Setting treffen sich monatlich an einem Abend ca. 20 Studierende mit den unterschiedlichsten betrieblichen oder behördlichen Funktionen, die am Thema „Arbeit und Gesundheit“ im weitesten Sinne interessiert sind. Zu Beginn jedes Semesters werden für fünf Abende die Themen festgelegt, die an den folgenden Kursabenden behandelt werden. Zugleich wird Gelegenheit gegeben sich gegenseitig zu informieren oder nach betrieblichen Lösungsansätzen zu fragen. Hier sind viele praktische Projekte initiiert worden, die zu neuen arbeitswissenschaftlichen Ansätzen und Methoden geführt haben. Z.B. der Vier-Säulen-Ansatz des betrieblichen Gesundheitsmanagement, der die Funktionen des betrieblichen Arbeits- und Gesundheitsschutzes, des betrieblichen Eingliederungsmanagements (BEM), der betrieblichen Gesundheitsförderung und der Sucht- und Sozialberatung verbindet und koordiniert.
Die Rolle der Arbeitsschützer hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark gewandelt: Vom technisch orientierten Fachexperten zum kommunikativ und psycho-sozial geschulten Berater in komplexen Organisationsstrukturen. Wie erleben Sie das in der betrieblichen Praxis – Rollenwandel erfolgreich vollzogen? Oder besteht Qualifizierungsbedarf?
Frank Wattendorff: Die Rollenanforderungen haben sich wesentlich verändert, da der Arbeitsschutz in einen Prozess des Kulturwandels steckt. Dabei muss man berücksichtigen, dass dieser Wandel von der EU ausging und das deutsche Arbeitsschutzsystem vollkommen verändert hat. Es war bis 1996 rein technisch-juristisch orientiert. Die Durchführungsanweisungen zu den damaligen Unfallverhütungsvorschriften gaben bis auf cm genau an, wie etwas auszusehen hatte. Von einer Beurteilung der Arbeitsbedingungen durch den Unternehmer war im Normalfall keine Rede und er hatte auch keine Befugnis, von den bestehenden Vorschriften abzuweichen. Psychische Belastungen wurden nur auf Tagungen oder in besonderen Projektzusammenhängen thematisiert. Im Betriebsalltag spielten sie in den Augen des Arbeitsschutzes kaum eine Rolle.
Hinweis der Redaktion:
Weiterlesen?
Sind Sie noch nicht Newsletter-Abonnent, so können Sie sich hier für unseren kostenfreien Newsletter ARBEITSSCHUTZuptodate registrieren – und erhalten vollen Zugriff auf diesen Beitrag.
Als registrierter Nutzer von ARBEITSSCHUTZdigital.de haben Sie nach Eingabe Ihrer Nutzerdaten vollen Zugriff auf diesen Beitrag und alle Inhalte von ARBEITSSCHUTZdigital.de.
Um Ihnen ein optimales Webseitenerlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Mit dem Klick auf „Alle akzeptieren“ stimmen Sie der Verwendung von allen Cookies zu. Für detaillierte Informationen über die Nutzung und Verwaltung von Cookies klicken Sie bitte auf „Anpassen“. Mit dem Klick auf „Cookies ablehnen“ untersagen Sie die Verwendung von zustimmungspflichtigen Cookies. Sie haben die Möglichkeit, Ihre Einstellungen jederzeit individuell anzupassen. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
