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09.12.2013

Studie „Berufe im Demografischen Wandel“: Ältere Beschäftigte verbleiben immer länger im Beruf

BPUVZ Heft 12/2013

Die Deutschen werden immer älter – und sie bleiben auch immer länger
beruflich aktiv. Zu diesem Ergebnis kommt die neue Studie „Berufe im
Demografischen Wandel“ der Initiative Neue Qualität der Arbeit. Die
Studie untersucht erstmalig in detaillierter Weise 12 Berufsgruppen aus
vier Tätigkeitsbereichen:

  • Fertigungsberufe: Chemiebetriebswerker und Zerspanungsmechaniker
  • Ingenieurtechnische
    und naturwissenschaftliche (MINT-)Berufe: Elektroingenieure; Sonstige
    Ingenieure; Chemiker und Chemieingenieure; Physiker, Physikingenieure
    und Mathematiker
  • Gesundheits- und Pflegeberufe:
    Krankenschwestern, Krankenpfleger und Hebammen, Helfer in der
    Krankenpflege; Erzieher und Kinderpfleger
  • Kaufmännische Berufe: Bankfachleute; Buchhalter

Sie bietet eine differenzierte Betrachtung des Zusammenhangs zwischen Alterungstrends und Risiken der Fachkräfteverknappung.

Verschiebung der Altersverteilung wird bei Krankenschwestern besonders deutlich
Wenn
der Demografische Wandel, wie in Deutschland der Fall, fortgeschritten
ist, altern über kurz oder lang alle Berufe“, sagt Thusnelda Tivig,
Professorin an der Universität Rostock und Leiterin der Autorengruppe
der Studie. „Das betrifft dann sowohl Berufe mit sinkender,
stagnierender, als auch solche mit wachsender Beschäftigtenzahl.“ In der
Berufsordnung „Krankenschwestern, Krankenpfleger und Hebammen“ zeigt
sich die Verschiebung in der Altersverteilung hin zu Älteren bereits
sehr deutlich: So waren im Jahr 1993 die jüngeren Altersgruppen weit
stärker besetzt als die älteren – danach kehrte sich das Verhältnis um.
Besonders interessant: Ähnlich wie bei den Erziehern und Kinderpflegern
ist nur etwa ein Drittel der Alterung in der Berufsordnung auf
demografische Faktoren zurückzuführen, der Rest hat
strukturell-ökonomische Ursachen. Zu diesen gehören Präferenzen bei der
Berufswahl, die Ausweitung der Frauenerwerbstätigkeit und konjunkturelle
Entwicklungen.

Beschäftigung 40+: Im Pflegebereich erfolgt der (Wieder)Einstieg in den Beruf auch in höheren Altersstufen
Ein
weiteres zentrales Ergebnis von „Berufe im Demografischen Wandel“ ist,
dass bei fast allen untersuchten Berufsgruppen ein Beschäftigungszuwachs
im Beobachtungszeitraum nur bei den rund Über-40-Jährigen stattfand und
dann besonders ausgeprägt bei den Über-60-Jährigen, also in den
Altersstufen, in denen auch die gleichaltrige Bevölkerung (stark)
zunimmt. Ein Teil dieser Entwicklung ist auf das „Durchaltern“ der
vormals größeren Geburtsjahrgänge und den längeren Verbleib im Beruf
zurückzuführen. In den Gesundheits- und Pflegeberufen kommt hinzu, dass
offenbar ein (Wieder-)Einstieg in den Beruf ab einem Alter von rund 40
Jahren stattfindet. Waren beispielsweise 1993 nur 600 Beschäftigte der
Berufsordnung „Krankenschwester, Krankenpfleger, Hebamme“ 61 Jahre alt,
so waren es 2011 bereits 6.238 (dies entspricht einer Steigerung um fast
das Zehnfache). Bei den Helfern in der Krankenpflege erhöhte sich die
Zahl der 61-Jährigen sogar von 151 in 1993 auf 4.161 in 2011 (dies
entspricht einer Steigerung um über das 26-fache). Eine solche
Entwicklung dürfte laut Studie typisch für Berufe mit einem hohen
Frauenanteil sein: Die Frauenquote bei „Krankenschwestern,
Krankenpflegern, Hebammen“ beträgt 86 Prozent, bei den Erziehern sogar
95 Prozent. Insgesamt macht die Studie deutlich, dass Menschen immer
länger in Pflegeberufen arbeiten und sogar im höheren Alter noch dazu
stoßen. Wegen der körperlichen und psychischen Belastungen, die diese
Berufe mit sich bringen, gewinnt eine Verbesserung von
Arbeitsbedingungen an Bedeutung.

Umgang mit demografischen Entwicklungen erfordert berufsspezifische Lösungen
Neben
der Analyse der Alterungstrends und der Verfügbarkeit von Fachkräften
zeigt die Studie auch Wege auf, wie eventuellen Knappheiten begegnet
werden kann. Die Studie spricht von „Kompensationspotenzialen“, also von
Möglichkeiten, den zahlenmäßig weniger werdenden Nachwuchs
auszugleichen. In der öffentlichen Diskussion werden beim Thema
Fachkräftemangel vor allem vier noch nicht vollständig genutzte
Potenziale erwähnt: die Arbeitskraft von Frauen, von Älteren, von
unqualifizierten Jungen und von Migranten. Die zentrale Erkenntnis der
Autorengruppe lautet aber: Antworten müssen berufsspezifisch gesucht
werden. Ein wichtiger Aspekt ist zudem die Mobilität zwischen den
Berufen. „Dieses Thema wird in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen.
Erwerbspersonen wechseln zwischen ähnlichen Berufen, wodurch ein noch
wenig beachtetes Potenzial entsteht, um einer sinkenden Verfügbarkeit
von Arbeitskräften zu begegnen“, so Prof. Dr. Thusnelda Tivig.

Die Studie „Berufe im Demografischen Wandel“ ist online verfügbar unter: www.inqa.de/publikationen

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