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Interview  
15.08.2017

PSA - Innovationen und Trends

ESV-Redaktion Arbeitsschutz
Marcus Dinse im Interview (Foto: Honeywell)
Marcus Dinse, Zone Manager bei Honeywell General Safety DACH, im Gespräch mit der ESV-Redaktion Arbeitsschutz über neueste Entwicklungen im Bereich der Persönlichen Schutzausrüstung.


Der Bereich Arbeitsschutz wächst in Deutschland stetig. Was sind die Besonderheiten des deutschen Marktes?
Marcus Dinse: In kaum einem anderen Land wird ein so großer Wert auf Normen und Verordnungen gelegt wie in Deutschland, er ist einer der am stärksten reglementierten Märkte im Bereich des Arbeitsschutzes. Daraus ergibt sich ein entscheidender Vorteil: Die deutschen Qualitätsstandards im Arbeitsschutz sind außergewöhnlich hoch. Teilweise kommen sie deshalb auch in anderen Ländern zur Anwendung, weil die eigenen Normen nicht ausreichen. Gleichzeitig ist der Arbeitsschutz in Deutschland eine sehr kommunikative Branche. Industrie, Gesetzgeber und Berufsgenossenschaften sind im ständigen Austausch. Diese Kommunikation erweist sich immer wieder als wegweisend. Entscheidungsträger erhalten oft wichtiges Feedback zur praktischen Umsetzbarkeit ihrer Richtlinien.

Welche Entwicklungen gab es in den vergangenen Jahren, die den PSA-Markt nachhaltig beeinflusst haben?
Marcus Dinse: Eine der größten Entwicklungen ist die neue PSA-Verordnung, besonders im Bereich des Gehörschutzes. Durch die PSA-Verordnung (EU) 2016/425 werden persönliche Schutzausrüstungen mit Risiken statt mit Ausrüstungsteilen in Verbindung gebracht. Der Gehörschutz, der bisher der Kategorie II zugeordnet war und mit mittelschweren Risiken in Verbindung gebracht wurde, ist in die Kategorie III aufgerückt, in die „gesundheitsschädlicher Lärm und irreversible Gesundheitsschäden“ gehören. Der lärminduzierte Gehörverlust ist weniger auffällig als andere Verletzungen, gehört aber weltweit zu den am häufigsten dauerhaften und vermeidbaren Verletzungen des Menschen. Genau deswegen sendet diese Entwicklung ein entscheidendes Signal zur Neubewertung der Wichtigkeit des Gehörschutzes. Diese neue PSA-Verordnung wird eine Herausforderung für Hersteller sein. Zum einen stellt die neue Verordnung einen bindenden Rechtsakt dar. Im Gegensatz zur Richtlinie, die in die jeweilige Gesetzgebung der Mitgliedsstaaten umgesetzt werden musste, ist die neue Verordnung in der gesamten EU vollumfänglich anwendbar. Somit müssen Hersteller sicherstellen, dass die gesamte Lieferkette den aktuellen Normen entspricht. Zudem muss der Gehörschutz am Arbeitsplatz durch die neu geordneten Risikokategorien vollkommen neu durchdacht werden. Sicherheitsfachkräfte können ihre Beschäftigten nur dann angemessen schützen, wenn sie auch das Lärmniveau am Arbeitsplatz nachvollziehen können. Die richtigen Daten können die Sicherheitsfachkräfte dabei unterstützen, ein präzises Bild von den Risikobereichen zu gewinnen und die Schutzmaßnahmen zu verbessern.

Wie verändert sich der PSA-Markt?
Marcus Dinse: Zurzeit wird vor allem ein Trend sehr deutlich: Die traditionelle persönliche Schutzausrüstung (PSA) rückt zunehmend in den Hintergrund und wird durch Cloud-basierte und vernetzte Sicherheitslösungen ersetzt. Die Herausforderung für PSA-Hersteller besteht darin, dass die dadurch gewonnen Daten richtig eingesetzt werden.

Nur wenn die umfangreichen Datenmengen entsprechend ausgewertet werden, kann sich der Markt weiterentwickeln. Durch das Abrufen der Daten kann zum Beispiel eingesehen werden, ob Arbeitnehmer die richtige Schulung zur korrekten Verwendung der PSA erhalten haben oder ob die Ausrüstung richtig angewandt wird. Wird durch die Datenanalyse deutlich, dass ein Großteil der Anwender die Ausrüstung falsch nutzt, können dadurch die Aus- und Weiterbildungsmaßnamen direkt angepasst werden. Diese aktuellen Entwicklungen, sei es die neue PSA-Verordnung oder Cloud-basierte Sicherheitslösungen, haben also einen Einfluss auf alle Bereiche der persönlichen Schutzausrüstung.

Welche Bereiche betreffen diese Veränderungen besonders?
Marcus Dinse: Vor allem die Aus- und Weiterbildung sind der Motor dieser Entwicklungen. Nur wenn Anwender den korrekten Umgang mit den neuen Verordnungen und Produkten erlernen, kann die Branche wachsen. Ohne entsprechende Aus- und Weiterbildung wäre jede Neuerung der Branche wirkungslos. Bereits seit einigen Jahren findet in diesem Bereich eine Veränderung statt. Das klassische Schulungsmodell verliert zunehmend an Bedeutung. Anstatt Frontalunterricht wird auf praxisorientierte Seminare gesetzt. Die Interaktion zwischen den Teilnehmern aus Industrie und Handel sowie den Dozenten sorgt für direktes Feedback und laufende Qualitätserhöhung der Schulungen.

Deshalb verbinden wir in der Honeywell Safety Products Akademie Theorie mit Praxis. Nach einer umfassenden Einführung in Themengebiete wie Hand-, Augen- und Gehörschutz geben wir den Teilnehmern Gelegenheit, ihre eigene Situation zu analysieren und einen entsprechenden Maßnahmenkatalog zu erstellen, wobei wir eine Beraterfunktion einnehmen. Die praktischen Beispiele und der Erfahrungsaustausch untereinander gewährleisten, dass die Teilnehmer das Erlernte direkt in die Praxis umsetzen können.

Die eigentliche Herausforderung liegt aber nicht allein in der Informationsvermittlung durch Aus- und Weiterbildung. Es gilt die Fachkräfte für das Thema Arbeitssicherheit zu sensibilisieren, sodass auch nach dem Seminar das Erlernte weiter ausgebaut wird und eine Sicherheitskultur am Arbeitsplatz geschaffen wird.

Generell lässt sich aber feststellen, dass das Bewusstsein für eine betriebliche Sicherheitskultur in Deutschland in den vergangenen Jahren gestiegen ist. Die veränderte Wahrnehmung des lärminduzierten Gehörverlustes ist ein Beispiel für den Erfolg von guten Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen.

Mehr zum Thema PSA in unserem Sonderheft PSA - Trends & Innovationen, das am 6. Oktober erscheint!

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