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Unfallverhütung  
25.09.2014

Partizipative Sicherheitsarbeit fördert betriebliches Innovationsmanagement

Mirco Pretzel
Unfallgefahren werden häufig systematisch unterschätzt
© industrieblick - Fotolia.com
Unfälle sind nicht einfach die Folge „menschlichen Versagens“, sondern beruhen gerade bei Routinetätigkeiten häufig auf einer systematischen Unterschätzung ihrer tatsächlichen Unfallbelastung, die auf natürlichen Lernprozessen bei Mitarbeitern und ihren Führungskräften basiert. In einem Forschungsprojekt wurden daher in einem Stahlwerk die Führungskräfte und deren Mitarbeiter mit ihren Verbesserungsvorschlägen konsequent in eine „partizipative“ Sicherheitsarbeit eingebunden. Dabei war die Forschungsfrage: Kann partizipative Sicherheitsarbeit auch dazu genutzt werden, in einem Unternehmen ein Innovationsmanagement aufzubauen bzw. ein bestehendes System zu befördern?

Sicherheitswidriges Verhalten wird gelernt

Sicherheitswidriges Verhalten wird gelernt Verhalten wird gelernt Unfälle ereignen sich häufig gerade bei Routinetätigkeiten, bei denen die Mitarbeiter davon ausgegangen sind, dass sie diese ohne Nachdenken völlig sicher ausführen können. Aber warum ist es schließlich doch zu einem Unfall gekommen? Die Antwort auf diese Frage lässt sich häufig damit erklären, dass Menschen aus früheren Erfahrungen oder aus ähnlichen Situationen subjektiv erfolgreiche Verhaltensweisen entwickelt haben. Folglich werden sie diese auch zukünftig in vergleichbaren Situationen wieder genauso anwenden, auch wenn ihnen mögliche Gefahren und Risiken sehr wohl bekannt sind. Diesen Lernvorgang nennen die Lernpsychologen eine „positive Verstärkung“: Dem Verhalten folgt ein innerer oder äußerer Reiz – z. B. Zufriedenheit, Freude oder Lob durch den Vorgesetzten, dann macht man das häufiger, die Wahrscheinlichkeit des Verhaltens wird „verstärkt“, weil ihre Folge als erfreulich gilt. Aber: Das Verhalten wird auch „verstärkt“, wenn – trotz an - gedrohter Strafe oder befürchteter Verletzung – nichts (!) folgt.

Dieses Lernprinzip wird als „negative Verstärkung“ bezeichnet und ist das evolutionär wichtigste Lernprinzip überhaupt: Nur dadurch, dass unsere Vorfahren durch ihre Aufmerksamkeit den sprichwörtlichen Säbelzahntiger blitzschnell als gefährlich erkannten – und er sie also nicht zu seinem Frühstück machen konnte – sind sie ihm entkommen. Durch diese einfache Überlebenstaktik ist meistens „nichts passiert“ und unsere Art hat überlebt. Dieses evolutionäre Prinzip ist auch heute noch für unser Sicherheitsverhalten überaus wichtig und wirksam: Wir alle haben in der Schule vermutlich mal „geschummelt“ und sind als junge Autofahrer viel zu schnell gefahren – Aber: Hurra, wir waren in der Schule erfolgreich bzw. es ist zu keinem Unfall gekommen! Und für die Arbeitssicherheit gilt:

Da Unfälle „statistisch seltene Ereignisse“ sind, lernen wir, ohne es zu wollen, dass auch bei unsicherem Verhalten meistens „alles gutgeht“ – genau das ist „negative Verstärkung“. Dieser Lerneffekt gilt auch in Situationen, die objektiv gefährlich sind.

Woran erkennen wir „Gefährlichkeit?

Ob eine Situation subjektiv als gefährlich eingestuft wird, hängt zudem wesentlich von der Fähigkeit des intuitiven Erkennens einer Gefahr ab und wie gut der Mensch die Tätigkeit sowie die daraus resultierende Gefährdung kennt.

Eine der bekanntesten Untersuchungen zu dieser systematischen Verzerrung von subjektiven Gefährlichkeitsbeurteilungen, stammt von Slovic, Fischhoff & Lichtenstein.

Sie ließen Probanden die Häufigkeit von 41 vorgegebenen Todesursachen einschätzen. Als Vergleichskriterium wurde die Anzahl von 50.000 Toten bei Autounfällen in den USA angesetzt. Die Probanden sollten anschließend die tatsächlichen Todeszahlen der anderen 40 Gefährdungen einschätzen (Slovic et al, 1980).

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