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Gesundheit am Arbeitsplatz  
23.05.2018

Diagnose Depression: längere Ausfälle wegen Arbeitsunfähigkeit bei Älteren und Problemen am Arbeitsplatz

ESV-Redaktion/beilit
Psychische Belastungen nehmen durch Wandel der Arbeitswelt zu (Foto: Amadeo Muslimović/Unsplash)
Wer an einer Depression leidet, ist davon meist über längere Zeit betroffen und unterliegt einem hohen Leidensdruck. Eine neuere Untersuchung von IQVIA weist auf einen signifikanten Zusammenhang zwischen der Diagnose, dem Alter der Betroffenen und der Dauer ihrer Arbeitsunfähigkeit hin, insbesondere, wenn Probleme am Arbeitsplatz dokumentiert werden.

Statistiken von Krankenkassen zu Folge haben psychische Krankheiten stark zugenommen, ebenso wie die dadurch bedingten Arbeitsunfähigkeitstage. Bereits vor zehn Jahren konstatierte der BKK Gesundheitsreport einen Anstieg der seit 1986 wegen psychischer Erkrankungen stationär Behandelten um das Dreifache [2]. Die meisten Fehltage gehen mit der Diagnose Depression einher. Die Erkrankung ist häufig chronisch und mit einem hohen Leidensdruck verbunden. Wie bei anderen psychischen Erkrankungen gilt auch hier, dass der Anteil an den AU-Fällen deutlich geringer ist als an den AU-Tagen. D.h. es handelt sich hier zumeist um längerfristige Krankheitsverläufe.

Demografische Merkmale und Arbeitswelt als Einflussfaktoren

Die skizzierte Entwicklung dürfte auf mehrere Faktoren zurückgehen. Die Autoren des DAK Gesundheitsreports 2018 [3] sehen im Wandel der Arbeitswelt und einer damit einhergehenden Zunahme empfundener psychischer Belastungen einen wesentlichen Grund für die Zunahme von Diagnosen psychischer Erkrankungen und damit einhergehender Arbeitsunfähigkeit. Wenig untersucht ist bislang der Einfluss demografischer Merkmale der Patienten sowie der fachärztlichen Ausrichtung im Blick auf die Dauer der Krankschreibung bei Depressionen. Forscher von IQVIA analysierten dazu mit Experten aus Wissenschaft und Praxis Diagnoseinformationen auf Basis der retrospektiven Datenbank IMS® Disease Analyzer [4].

In die Auswertung waren 21.561 Patienten zwischen 25 und 60 Jahren aus 792 hausärztlichen Praxen (HA) sowie 2.944 Patienten aus 105 psychiatrischen Praxen (PS) einbezogen, alle mit einer durch Depression [5] bedingten Krankschreibung. Zusätzlich wurden demografische Merkmale und dokumentierte Co-Diagnosen als potenzielle Risikofaktoren einbezogen. Im Mittel waren die HA-Patienten 43 Jahre alt und zu 59 % weiblich, die PS-Patienten 46 Jahre und zu 57 % Frauen.

Zentrale Ergebnisse der Untersuchung waren: Die Dauer der Krankschreibung durch Psychiater lag mit 68 Tagen mehr als doppelt so hoch wie durch Hausärzte. Dies dürfte mit dem Schweregrad der Erkrankung zusammenhängen, wozu jedoch keine gesonderte Information vorlag. Betrachtet man die Dauer der Krankschreibung nach den zwei Kategorien „bis 42 Tage“ – so lange währt in der Regel die Entgeltfortzahlung durch den Arbeitgeber – und „über 42 Tage“ – ab dann erhält der Arbeitnehmer von seiner Krankenkasse Krankengeld – so zeigt sich ein Anstieg der AU-Tage mit zunehmendem Alter der Betroffenen (Abb. 1 zum Herunterladen). Der Zusammenhang mit dem Alter erwies sich als statistisch signifikant, während das Geschlecht keinen signifikanten Einfluss hatte. Ein weiteres Ergebnis: Patienten, bei denen der Arzt Arbeitsplatzprobleme dokumentiert hat, waren signifikant länger krankgeschrieben.

Welche Schlussfolgerungen lassen sich aus den Ergebnissen ziehen? Dazu Prof. Dr. Karel Kostev, Forschungsleiter bei IQVIA: „Viele Arbeitnehmer empfinden hohe psychische Belastungen, nehmen ihren Arbeitsplatz als unsicher wahr und/oder fühlen sich nicht wertgeschätzt. Dem sollte zum einen mit Maßnahmen der betrieblichen Prävention versucht werden, entgegenzuwirken. So können bspw. innerbetriebliche Verbesserungen der Arbeitsorganisation entscheidend dazu beitragen, eine stetig gewachsene Arbeitsverdichtung zu reduzieren. Zum anderen sollte auch die Einbeziehung niedergelassener Hausärzte und Psychiater in den Rehabilitationsprozess organisatorisch und wissenschaftlich mehr Beachtung finden.“

______________________________
[1] Dr. Jens Bohlken, Praxis für Neurologie und Psychiatrie, Berlin; Berufsverband Deutscher Nervenärzte (BVDN); Prof. Dr. Marcel Konrad, Hochschule FOM Frankfurt/Main
[2] https://www.bkk-dachverband.de/fileadmin/publikationen/gesundheitsreport/fruehere_gesundheitsreporte/BKK-Gesundheitsreport_2008.pdf (Seite 122): 1986: 3,8 Fälle je 1.000 Versicherte vs. 11,5 Fälle je 1.000 Versicherte in 2007
[3] https://www.dak.de/dak/download/gesundheitsreport-2018-1970840.pdf
[4] IMS® Disease Analyzer ist eine Datenbank von IMS Health, die anonymisierte Therapie- und Behandlungsverläufe zeigt. Dadurch lassen sich Krankheits- und Therapieverläufe über viele Jahre darstellen. IMS® Disease Analyzer beruht auf einer repräsentativen Stichprobe von mehr als 2.500 niedergelassenen Ärzten in der Bundesrepublik Deutschland, die mit EDV-Systemen ausgestattet sind.
[5] Einbezogene Diagnosen: F32 „Depressive Episode“ und F33 „Rezidivierende depressive Störung”


Arbeitsbedingte psychische Belastung

Dr. Gerald Schneider

Gesunde Arbeit, erfolgreiche Mitarbeiter

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Richtig handeln bei psychischen Belastungen

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