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Arbeits- und Klimaschutz  
15.10.2026

Der Klimawandel verändert die Arbeitswelt: Was bedeutet das für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit?

ESV-Redaktion HSE und Betriebssicherheit/EU-OSHA
Der Übergang der EU zur Klimaneutralität zählt zu den größten Transformationsprozessen der modernen Wirtschaft. (Foto: geralt/Pixabay)
Der Klimawandel verändert bereits heute die Art und Weise, wie Menschen in Europa arbeiten. Er ist zu einer großen Herausforderung für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit geworden und betrifft Beschäftigte, Arbeitgeber und politische Entscheidungsträger gleichermaßen.

Obwohl extremer Hitze in den vergangenen Jahren zunehmend Aufmerksamkeit geschenkt wurde, reichen die Auswirkungen des Klimawandels weit darüber hinaus und beeinflussen die Arbeitsbedingungen in der gesamten EU bereits heute. Die Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) untersucht im Rahmen ihrer Forschung den Zusammenhang zwischen Klimawandel und Arbeitsschutz. Ihre jüngste Zukunftsstudie beleuchtet, wie Klimawandel und Klimaschutzmaßnahmen zusammen mit umfassenderen ökologischen, technologischen und gesellschaftlichen Entwicklungen die Arbeitswelt in den kommenden Jahrzehnten verändern werden. 

Wie sich der Klimawandel schon heute auf Beschäftigte auswirkt

Durch ihre Forschungs- und Zukunftsarbeit unterstützt die EU-OSHA die Europäische Union dabei, neue Risiken frühzeitig zu erkennen, praktikable Präventionsansätze zu entwickeln und sicherzustellen, dass der Übergang zu einer nachhaltigeren Zukunft zugleich sichere, gesunde und produktive Arbeitsplätze schafft. Der Klimawandel wirkt sich auf vielfältige Weise auf Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit aus. Hitzebelastungen stehen nach den jüngsten Rekordhitzewellen in Europa verstärkt im Fokus. Beschäftigte sind jedoch einer deutlich breiteren Palette von Risiken ausgesetzt.

Die Forschung der EU-OSHA zeigt, dass der Klimawandel neben steigenden Temperaturen auch die Häufigkeit extremer Wetterereignisse erhöhen sowie Veränderungen bei Krankheitsmustern, Luftverschmutzung, Umweltzerstörung und psychosozialen Belastungen verursachen kann. Viele dieser Faktoren verstärken bestehende Gefährdungen am Arbeitsplatz und schaffen neue Herausforderungen für Gefährdungsbeurteilungen und Präventionsmaßnahmen.

Die Auswirkungen beschränken sich nicht auf klassische Tätigkeiten im Freien. Zwar sind Branchen wie Landwirtschaft, Bauwesen und Rettungsdienste besonders betroffen, doch auch Verkehr, Industrie, Gesundheitswesen, Tourismus und zahlreiche Innenarbeitsplätze spüren die Folgen des Klimawandels. Arbeitgeber aller Branchen müssen daher berücksichtigen, wie sich veränderte Umweltbedingungen auf die Sicherheit und Gesundheit ihrer Beschäftigten auswirken.

Über die Risiken von heute hinausblicken

Die Vorbereitung auf den Klimawandel erfordert mehr, als lediglich auf aktuelle Risiken zu reagieren. Die Zukunftsstudie der EU-OSHA zu zukünftigen klimabedingten Entwicklungen und Krisen untersucht, wie der Klimawandel die Arbeitswelt verändern könnte. Dabei werden nicht nur die direkten Umweltauswirkungen betrachtet, sondern auch die indirekten Folgen von Klimaschutz-, Anpassungs- und Minderungsmaßnahmen für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit. 

Während die EU erneuerbare Energiesysteme ausbaut, Gebäude saniert, die Kreislaufwirtschaft stärkt, neue Technologien einführt und Infrastrukturen an veränderte Umweltbedingungen anpasst, werden Beschäftigte mit neuen Aufgaben, Arbeitsplätzen und beruflichen Risiken konfrontiert. Diese Entwicklungen schaffen Chancen für gesündere und nachhaltigere Arbeit, können aber auch neue Gefährdungen mit sich bringen, die geeignete Präventionsmaßnahmen erfordern.

Anstatt eine einzige Zukunft vorherzusagen, entwirft die Studie mehrere mögliche Szenarien, die zeigen, wie ökologische, technologische, politische und wirtschaftliche Entwicklungen den Arbeitsschutz in den kommenden 25 Jahren beeinflussen könnten. Die tatsächliche Zukunft könnte Elemente mehrerer Szenarien enthalten.
  • „Gerechter Wandel“ (Just Transition) beschreibt ein Best-Case-Szenario, in dem Klimaneutralität und ein hoher Schutz der Beschäftigten gemeinsam voranschreiten.
  • In den „Arbeitsschutz-Oasen“ (OSH Havens) bestehen starke Arbeitsschutzsysteme neben mangelndem Klimaschutz, was zu erheblichen Ungleichheiten und einer stärkeren Abhängigkeit von Automatisierung führt.
  • Das Szenario „Klimawettlauf“ (Climate Race) beschreibt eine Zukunft, in der überstürzte Klimamaßnahmen ohne ausreichende Schutzvorkehrungen neue erhebliche Risiken für Beschäftigte schaffen.
  • „Hoffnung an der Basis“ (Grassroots Hope) skizziert schwache Institutionen und selbstorganisierte Schutzmaßnahmen von Beschäftigten und verdeutlicht die Grenzen eines ausschließlich nichtstaatlichen Engagements.
Die Szenarien basieren auf Workshops und Expertenbeiträgen. Sie befassen sich zudem mit Themen wie Klimaangst, Migration, wirtschaftlichen Entwicklungen, technologischen Veränderungen, Klimaanpassung, neuen Arbeitsformen sowie den Kompetenzen und Berufen der Zukunft. Gemeinsam verdeutlichen sie, wie wichtig es ist, Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen mit Sicherheit, Gesundheit und Wohlbefinden der Beschäftigten zu verbinden.

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Aktuelle Webinare und Seminare aus dem Bereich Arbeitsschutz finden Sie hier.


Veränderungen durch Vorsorge begegnen

Vor diesem Hintergrund gewinnt eine vorausschauende Planung an Bedeutung. Wirksame Prävention setzt voraus, dass Organisationen neu entstehende Risiken und damit verbundene Herausforderungen frühzeitig erkennen, anstatt erst auf eingetretene Probleme zu reagieren. Klimabezogene Aspekte sollten fester Bestandteil des Arbeitsschutzmanagements werden, etwa bei Gefährdungsbeurteilungen, der Arbeitsplatzgestaltung, der Arbeitsorganisation und der Notfallplanung. In einigen EU-Mitgliedstaaten ist dies bereits gesetzlich vorgeschrieben. Dabei haben technische und organisatorische Maßnahmen Vorrang vor personenbezogenen Schutzmaßnahmen.

Die EU-OSHA unterstreicht außerdem die Bedeutung, klimabedingte Risiken in bestehende Präventionssysteme zu integrieren und Beschäftigte aktiv in die Entwicklung praktischer Lösungen einzubeziehen. So können Organisationen Chancen erkennen, sich auf neue Risiken vorbereiten und wirksamere Präventionsstrategien entwickeln.

Unterstützung für den grünen Wandel in Europa

Der Übergang der EU zur Klimaneutralität zählt zu den größten Transformationsprozessen der modernen Wirtschaft. Neue Branchen, Technologien und Berufsbilder werden eine entscheidende Rolle bei der Erreichung der Umweltziele spielen, beispielsweise in den Bereichen erneuerbare Energien, nachhaltiges Bauen und Recycling. Dieser Wandel kann nur mit einer gesunden und qualifizierten Belegschaft gelingen. Deshalb müssen Leistungsfähigkeit und Schutz der Beschäftigten von Anfang an berücksichtigt werden.

Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit sollten in sämtliche Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen integriert werden, damit ökologische Entwicklung und Nachhaltigkeit mit sicheren, gesunden und produktiven Arbeitsbedingungen Hand in Hand gehen. Die Berücksichtigung von Arbeitsschutzaspekten bei der Entwicklung neuer Technologien, Arbeitsplätze und Arbeitsformen kann dazu beitragen, neue Risiken zu vermeiden und gleichzeitig Innovation sowie Produktivität zu fördern.

Zahlen und Fakten aus der EU-OSHA-Umfrage „OSH Pulse 2025“
  • Rund ein Drittel der Beschäftigten (31 %) befürchtet, dass sich klimawandelbedingte Entwicklungen auf ihre Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit auswirken könnten.
  • Fast jeder fünfte Beschäftigte (18 %) gibt an, dass sich seine aktuelle Tätigkeit aufgrund von Maßnahmen zur Vermeidung klimabedingter Risiken verändern wird.
  • 20 % berichten von einer Belastung durch extreme Hitze, 19 % von Problemen mit der Luftqualität am Arbeitsplatz.
  • Klimabedingte Arbeitsrisiken betreffen Beschäftigte unterschiedlichster Branchen, Qualifikationsstufen und Berufsgruppen. 
Quelle: EU-OSHA

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Programmbereich: Umwelt- und Klimaschutz

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