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IG Metall-Befragung  
02.05.2017

Beschäftigte fordern Sicherheit und gute Perspektiven in der digitalen Arbeitswelt

ESV-Redaktion Arbeitsschutz/IG Metall
Beschäftigtenumfrage der IG Metall (Grafik: IG Metall)
Sicherheit und gute Perspektiven in der digitalen Arbeitswelt, eine neue Arbeitsmarktpolitik, bessere Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben und sichere Renten sind die wesentlichen Anliegen der Beschäftigten. Zu diesem Ergebnis kommt die bislang größte Beschäftigtenbefragung Deutschlands.

Die Ergebnisse der Befragung, die die IG Metall von Mitte Januar bis Ende Februar 2017 durchgeführt hat, liegen vor.

Das wollen die Beschäftigten

Die Zahl übertraf alle Erwartungen: 680 000 Menschen aus gut 7000 Betrieben haben sich an unserer Beschäftigtenbefragung beteiligt: Wie wollen wir arbeiten? Wie wollen wir leben? Die Ergebnisse sind eindeutig - die Politik muss handeln. Im Wahljahr 2017 kommt es auf die Wünsche und Bedürfnisse der Beschäftigten an.

Die Beschäftigtenbefragung der IG Metall ist die größte und umfangreichste in Deutschland. 
 
Die Menschen wollen eine Politik, die ihnen die Sicherheit gibt, in einer sich wandelnden Arbeitswelt mithalten zu können. Sie wollen eine Politik, die ihnen Entwicklungschancen bietet und sie in Zeiten unterstützt, in denen sie sich um Schwächere kümmern. Sie wollen ein sicheres, gerechtes und selbstbestimmtes Leben führen - am Arbeitsplatz und zu Hause. Diese Erwartung spricht aus den Antworten auf die Fragen zu Sozial-, Bildungs- und Arbeitspolitik, die die IG Metall in ihrer Beschäftigtenbefragung stellte.

Perspektiven für Alle in der Arbeit von morgen
Die Technik macht einen Riesensprung ins digitale Zeitalter. Viele Menschen sorgen sich, ob sie diesen Sprung schaffen. Sicherheit und berufliche Perspektiven in der Industrie 4.0 sind 93 Prozent der Beschäftigten wichtig oder sehr wichtig. Sie wissen, dass Qualifikationen und Abschlüsse dabei eine große Rolle spielen.

Auch deshalb sagen 93 Prozent der Befragten, dass Bildungschancen nicht von der Herkunft abhängen dürfen. Die Politik muss solche Ängste ernst nehmen und mehr Bildungsgerechtigkeit schaffen, zum Beispiel durch ein Recht auf betriebliche Fortbildung und ein Mitbestimmungsrecht der Betriebsräte bei Weiterbildung.

Bildung sichert Beschäftigten den Anschluss, wenn sich ihre Arbeit verändert. Sie wollen aber auch Sicherheit. Daher fordern 89 Prozent der Befragten - wie die IG Metall - grundlos befristete Arbeitsverträge abzuschaffen. Ihnen ist wichtig, dass Arbeit die Existenz sichert und Arbeitslosigkeit nicht ins soziale Abseits führt.

Arbeitszeiten, die zum Leben passen
Mobile Rechner und Telefone erleichtern es vielen Menschen, Arbeit und Leben zu vereinbaren. Aber sie machen es auch schwerer, Grenzen zu ziehen. Deshalb will die große Mehrheit der Beschäftigten ein starkes Arbeitszeitgesetz. 96 Prozent der Befragten wollen das Recht haben, einfachmal abzuschalten. Sie wollen Arbeit und Privatleben vereinbaren können und fordern dafür die Unterstützung der Arbeitgeber. 84 Prozent sagen daher: Wer aufgrund von Pflege, Erziehung oder Bildung kürzertritt, muss finanziell unterstützt werden.

Das spricht für einen Entgeltausgleich bei solchen Auszeiten, wie ihn die IG Metall fordert. Beschäftigte wollen außerdem, dass niemand durch eine Familienphase beruflich in einer Sackgasse landet. 90 Prozent fordern ein Rückkehrrecht von Teilzeit in Vollzeit. Damit unterstreichen sie nachdrücklich die Forderung der IG Metall an die Politik, das Rückkehrrecht in Vollzeit, das im gültigen Koalitionsvertrag vereinbart wurde, zu realisieren.

Gerechtigkeit durch mehr Tarifverträge
Gerechtigkeit bei Einkommen und Vermögen sowie gleiche Chancen für Frauen und Männer sind den Beschäftigten wichtig. Sie wissen, dass Tarifverträge mehr Gerechtigkeit schaffen, und erwarten vom Gesetzgeber mit großer Mehrheit (92 Prozent), Tarifflucht bei Auslagerungen zu verhindern. Tarifverträge können nur dort Gerechtigkeit schaffen, wo sie gelten. Die Aufforderung an die Politik lautet daher: Tarifverträge besser zu schützen und zu stärken.

Soziale Sicherheit, fair finanziert
Die Starken helfen den Schwachen - das solidarische Prinzip der Sozialversicherung wird seit Jahrzehnten aufgeweicht. In der Krankenversicherung zahlen Beschäftigte und Rentner einen Extrabeitrag, während der Arbeitgeberbeitrag inzwischen eingefroren ist. Kostensteigerungen müssen allein die Arbeitnehmer zahlen. Die Mehrheit der Beschäftigten (95 Prozent) will das nicht und fordert, dass Arbeitgeber wieder genauso viel wie die Beschäftigten an die Krankenkassen zahlen.

Sorgen bereitet vielen Menschen auch die Aussicht auf ihr Leben im Alter. Sie fürchten, dass ihre Rente nicht reichen wird. Deshalb fordert die Mehrheit, das Rentenniveau wieder anzuheben und nicht das Rentenalter. Besonders bemerkenswert: Für eine sichere Rente sind 85 Prozent der Befragten bereit, höhere Beiträge in die Rentenkasse zu zahlen. Diese Wende in der Rentenpolitik fordert auch die Mehrheit der Jüngeren. Die Politikmuss daher weiter daran arbeiten, das Rentenniveau zu stabilisieren und zu erhöhen.

"Die gewaltige Beteiligung zeigt: Die Beschäftigten wollen mit ihren Wünschen, Sorgen und Forderungen gehört werden.", sagte Jörg Hofmann, Erster Vorsitzender der IG Metall.

Über 93 Prozent der Befragten finden es wichtig, den Weg in die Industrie 4.0 mitzugestalten. Die Beschäftigten fragen sich, welchen Platz sie in der neuen Arbeitswelt einnehmen werden und verlangen, dass es sicher und gerecht zugeht auf dem Weg in die Arbeitsgesellschaft von morgen. Dies gilt für alle Beschäftigten, unabhängig ihrer Qualifikation.

Doch je schwächer die Position der Beschäftigten auf dem Arbeitsmarkt ist, umso größer sind die Sorgen um den Arbeitsplatz. Auch daher fordern 89 Prozent der Befragten die Abschaffung sachgrundloser Befristung, von Minijobs und prekärer Soloselbstständigkeit.

Um in der Arbeitswelt 4.0 mithalten zu können, seien bessere Chancen auf Qualifikation für alle Beschäftigten zwingend erforderlich. "Sichere Jobs und Bildung sind die Schlüssel zu guter Arbeit 4.0. Denn nur wer keine Angst um die Zukunft haben muss, kann gut und kreativ arbeiten", sagte der IG Metall-Vorsitzende.

Mit einer großen Mehrheit von 93 Prozent fordern die Befragten zudem eine Bildungspolitik, die Bildungschancen unabhängig von der sozialen Herkunft eröffnet und ein verbrieftes Recht auf betriebliche Weiterbildung garantiert. "Viele sind heute von einer fairen Chance auf Fortbildung im Berufsleben ausgeschlossen. Ein Initiativrecht für Betriebsräte zur Durchführung von Qualifizierungsmaßnahmen ist überfällig. Die nächste Bundesregierung muss hier endlich handeln", forderte Hofmann.

Der IG Metall-Vorsitzende warnte Politik und Arbeitgeber, die Umbrüche in der Arbeitsgesellschaft zum Abbau von Schutzrechten zu missbrauchen. Dies gelte gerade für das Arbeitszeitgesetz. "Über 96 Prozent der Befragten wollen auch in Zukunft ein Arbeitszeitgesetz, das der Arbeitszeit Grenzen setzt. Dazu gehört auch das Recht auf Abschalten durch gesetzlich vorgeschriebene Ruhezeiten."

Kritisch bewerte Hofmann zudem die noch offenen Baustellen der großen Koalition: "Die Befragung ermahnt auch die Regierung, die noch nicht erledigten Hausaufgaben des Koalitionsvertrags umzusetzen. So fordern 90 Prozent der Beschäftigten ein gesetzliches Rückkehrrecht von Teilzeit in Vollzeit." Für 92 Prozent der Befragten steht das Thema Vereinbarkeit ganz oben auf der Agenda. Und 84 Prozent befürworten eine finanzielle Unterstützung bei der Reduzierung der Arbeitszeit zur Vereinbarkeit von Familie und Arbeit.

"Das Votum der Beschäftigten ist eindeutig: Es ist Zeit für mehr Gerechtigkeit", betonte Hofmann. Rund 95  Prozent fordern, es müsse Schluss sein damit, dass die Arbeitnehmer höhere Beiträge zur Krankenversicherung zahlen als die Arbeitgeber. Weiter fordern die Beschäftigten ein höheres Rentenniveau (85 Prozent) und eine Verpflichtung der Arbeitgeber zur betrieblichen Altersvorsorge für alle Beschäftigten
(93 Prozent).

92 Prozent der Befragten erwarten von der Politik mehr Schutz von Tarifverträgen.
"Nur Tarifverträge garantieren eine faire und verlässliche Bezahlung und gute Arbeitsbedingungen. Fehlt Tarifbindung droht Lohndumping - wie beim Missbrauch von Werkverträgen. Die Politik muss dafür sorgen, dass für möglichst viele Beschäftigte ein Tarifvertrag gilt. Outsourcing darf nicht dazu führen, dass sich Arbeitgeber davor drücken, Tariflöhne zu zahlen", forderte Hofmann.

Weitere Ergebnisse aus der Befragung zum Thema Arbeitszeit wird die IG Metall Mitte Mai veröffentlichen.

Reaktion Gesamtmetall: Hier


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