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Arbeitsschutzmesse A+A in Düsseldorf  
14.11.2017

Arbeitsschutz macht Spaß und ist aufregend

ESV-Redaktion Arbeitsschutz
Dr. Götz Richter, Ute Gräske (beide BAuA) und Verlagsleiter Jörg Engelbrecht vom ESV (Foto: ESV)
Alle zwei Jahre ruft die A+A als internationale Fachmesse mit ihrem Kongress für Arbeitsschutz und -medizin nach Düsseldorf. Und alle kommen – in diesem Jahr sogar mehr als sonst: Mit rund 1.900 Ausstellern aus 63 Ländern startete die Fachmesse für Arbeitsschutz und Sicherheitskleidung in ihre bisher größte Ausgabe. Der Besucherandrang war gleich am Dienstag nach dem offiziellen Beginn enorm.

Insgesamt berichtet die Messeleitung von fast 70.000 Fachbesuchern. Auch in diesem Jahr wieder prächtiges Wetter, das scheint die Messe abonniert zu haben.

Gut für die Veranstaltungen auf den Freiflächen, wobei es bei den Brandschutz-Demonstrationen auch ohne Sonne heiß herging. Bis zu 1000 Grad hielt die Feuerwehr-Schutzkleidung Stand. 

Schutzkleidung im Fokus

Das Angebot ist mittlerweile riesig – von Massagegürteln, die man sich um den Hals legen kann (und die meine Kollegin gleich erstanden hat) , bis hinzu perfekt durchdachter Schutzkleidung, die optisch so nahe an Outdoor-Kleidung ist, dass die Akzeptanz unter den Trägern extrem hoch ist. Im Gespräch mit Kübler Workwear erklärten die Produktmanager, dass die Produktentwicklungszyklen immer kürzer werden und die Reaktionszeiten immer schneller. Flexibilität werde immer wichtiger, um unterschiedlichen Anwendungsbereichen und Materialmischungen gerecht zu werden. Gerade in den letzten Jahren seien die Anforderungen an PSA und Arbeitskleidung extrem gestiegen. Schutz, Komfort, Optik, Langlebigkeit, Funktionalität, Qualität – all das seien Ansprüche, denen moderne Schutzkleidung begegnen müsse. Im besten Falle repräsentiere Berufskleidung die Identifikation des Trägers mit seinem Unternehmen. Um das zu gewährleisten, werden in der Produktentwicklung mittlerweile von Anfang an Endkunden miteinbezogen.

Die Kollektionen von ihnen und ihren Mitbewerbern zeichnen sich durch durchdachte Details für den Tragekomfort, Sichtbarkeit und eine gute Passform aus. Bedacht wurde z.B. bei Schutzkleidung für Autobahnarbeiter, dass diese auch durch Reflexstreifen sichtbar gemacht werden, wenn sie nicht frontal stehen. Natürlich erfüllen alle Produkte die jeweilige Normvorgabe – so lassen sich auch Produkte kombinieren, um eine höhere Schutzklasse zu erreichen. Beeindruckt haben mich auch Features wie selbstabreißende Kapuzen, wenn Druck darauf kommt. Auch die Entwicklung von extra dünnen Sommerhosen für Müllwerker, da sie bei Hautverletzungen ein erhöhtes Infektionsrisiko haben und deshalb am besten lang tragen. 

Datengesteuerte Sicherheit

Es gab aber natürlich auch viele virtuelle Informationen. Im Bereich PSA stellte Honeywell seine Connected Worker Platform vor. Dabei werden netzwerkfähige Geräte wie Gasdetektoren oder PSA mit integriertem RFID-System mit integrierter Software angeboten. Sicherheitsfachkräfte können so die Belastung durch toxische und brennbare Gase, Sauerstoffmangel und Strahlung nachvollziehen und entgegensteuern.

Es ist auch möglich, sich langsam entwickelnden Berufskrankheiten, wie z. B. dem lärminduzierten Gehörverlust, entgegenzuwirken. Auch für Alleinarbeiter bietet die Vernetzung große Sicherheitsvorteile. Sensoren und Smartphones werden künftig viel selbstverständlicher zumindest bei großen Unternehmen in PSA integriert sein. Auch andere Hersteller wie Uvex und Bornack zeigten Neuheiten zur "Digitalisierung der Arbeit und zu digitalen Anwendungen und Lösungen". Aber auch die Forschung präsentierte ihre Ergebnisse: Das IFA zeigte an konkreten Beispielen, welche Wearables sich für arbeitsschutzrelevante Anwendungen eignen.

Von smarten Atem- und Hautschutzprogrammen über rückenschonende Exoskelette und medizinische Wearables bis hin zu einem intelligenten Flottenmanagement, Datenbrillen oder sensorgesteuerter Absturzsicherung - datengesteuerte Sicherheit ist das Zukunftsthema. Diese schöne neue Welt ist faszinierend, aber natürlich birgt das Thema auch Risiken: Stichwort Datensammlung, Produktivitätsauswertung – hier werden sicher betriebliche Mitbestimmung und auch die Gesetzgebung sich zukünftig einbringen wollen. 

Es geht aber auch in kleinerem Maßstab: Die B A D GmbH stellt ihre App PreSys Go vor, die gerade kleinen und mittleren Betrieben bei der Dokumentation von Begehungen unterstützen soll. Sie enthält 30 verschiedene branchen- und tätigkeitsspezifische Checklisten, unter anderem für das Friseurhandwerk, Kfz-Werkstätten, die Arbeit am Bildschirmarbeitsplatz oder Schreinereien.

Besonders beeindruckt hat mich diesmal auch nicht nur die schiere Dimension mancher Messestände, sondern auch deren Gestaltung: Schuhpräsention geht kaum imposanter – hier bei Steitz Secura. 

Der eine kommt, um sich einen Marktüberblick zu verschaffen, seine Produkte vorzustellen, den Kongress zu besuchen oder dort zu referieren oder wie wir, um Kontakt zur Lesern, Kunden und Autoren zu pflegen und aufzubauen.

In der Medienhalle befand sich unser Stand, wo wir uns über angeregten Austausch mit Lesern und Autoren freuten. Besonderer Anlass war natürlich die Vorstellung unserer Neuerscheinung „Produktionsarbeit in Deutschland – mit alternden Belegschaften“, das in Zusammenarbeit mit der BAuA entstanden ist. Hier am Stand Herausgeber Dr. Götz Richter von der BAuA, Redakteurin Ute Gräske von der inqa und Verlagsleiter Jörg Engelbrecht vom ESV. 

Für Action sorgten auch die DGUV und die Berufsgenossenschaften, die wieder James Bond auf eine Mission für Arbeitssicherheit schickten, Stresstests durchführten, über gesunde Ernährung informierten und mit viel Manpower ihre Arbeit präsentierten. 

Kongress und Präventionskampagne kommmitmensch

Parallel zur Messe fand der 35. Internationale Kongress für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin mit 50 Veranstaltungsreihen statt. Wenn ich auch nicht viel Zeit hatte, so war ich doch mit gutem Gespür in einer Veranstaltung zum Thema Arbeitszeitflexibilität. Spannend, weil die Referenten aus unterschiedlichen Perspektiven auf das Thema guckten. So gab es arbeitgebernahe Positionen zur Öffnung der Arbeitszeit, gewerkschaftsseitig wurden Grenzen der Ausdehnung gefordert. Das Publikum war recht engagiert und sparte auch nicht mit deutlichem Feedback. Interessant für mich, dass das gleiche Datenmaterial (European Working Survey Condition Survey) zur Belegung unterschiedlicher Standpunkte herangezogen wurde. Fazit jedenfalls war, dass es schwierig bleibt, auf individueller Ebene den Zusammenhang zwischen Belastung und Gesundheitsschaden herzustellen, aber dass es ihn gibt, ist mittlerweile unbestritten. 

Eine zentrale Veranstaltung war dann am Mittwoch die Präsentation von kommmitmensch, der neuen Präventionskampagne von Berufsgenossenschaften und Unfallkassen.

Die neue Kampagne kommmitmensch will sowohl Führungskräfte als auch Beschäftigte ins Boot holen, um zu zeigen: Sicherheit und Gesundheit sind wertvolle Ressourcen für Unternehmen und Beschäftigte. "Ein Unternehmen, das dafür sorgt, dass seine Beschäftigten keinen körperlichen und psychischen Gefahren ausgesetzt sind, trägt dazu bei, dass sich weniger Unfälle ereignen und Beschäftigte seltener krankheitsbedingt ausfallen", so Dr. Walter Eichendorf, stv. Hauptgeschäftsführer des Spitzenverbandes der Berufsgenossenschaften und Unfallkassen (DGUV). "Dadurch steigen Qualität und Attraktivität der Unternehmen und sie können Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter langfristig binden."

So lenkt die Kampagne den Blick darauf, welchen Stellenwert Sicherheit und Gesundheit in Betrieben und öffentlichen Einrichtungen genießen. Zugleich zeigt sie, wo die Stellschrauben für eine gute Präventionskultur liegen - in den Handlungsfeldern Führung, Kommunikation, Beteiligung, Fehlerkultur, Betriebsklima, Sicherheit und Gesundheit. kommmitmensch unterstützt Unternehmen und Beschäftigte dabei, die zentralen Handlungsfelder in ihrem Betrieb zu entdecken und dort anzusetzen. 

Einer der Anlässe für die Kampagne ist, dass die Unfallzahlen in den vergangenen Jahren nicht mehr so deutlich wie vorher gesunken sind. "Um dem Ziel der Vision Zero, einer Welt ohne Arbeitsunfälle und arbeitsbedingte Erkrankungen, immer näher zu kommen, brauchen wir einen ganzheitlichen Präventionsansatz", erklärt Eichendorf. "Hinzu kommt, dass die Art, wie wir arbeiten und leben, sich tiefgreifend wandelt. Wir müssen deshalb mögliche Risiken in den Blick nehmen, bevor sie in der betrieblichen Praxis ankommen. Der Schlüssel ist eine Unternehmenskultur, in der Sicherheit und Gesundheit bei allen Entscheidungen mitgedacht werden - kurz eine Präventionskultur." kommmitmensch unterstützt Unternehmen und Beschäftigte dabei, die zentralen Handlungsfelder in ihrem Betrieb zu entdecken und dort anzusetzen. Stellschrauben für eine gute Präventionskultur liegen in den Handlungsfeldern Führung, Kommunikation, Beteiligung, Fehlerkultur, Betriebsklima, Sicherheit und Gesundheit.

Es waren volle Tage – vieles, was noch interessant gewesen wäre, musste ressourcenbedingt auf der Strecke bleiben. Aber die A+A zeigte deutlich auf, wie sich der Arbeitsschutz und die Branche verändert und entwickelt – eine spannende Reise, die wir vom ESV gerne weiter begleiten und wir hoffen, Sie sind mit dabei!
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