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ARBEITSSCHUTZuptodate!
Die neuen technischen und organisatorischen Arbeitsbedingungen bringen neue oder veränderte Gefährdungen mit sich. Schwerpunkt der technischen Sicherheit ist die Zusammenarbeit von Mensch und Maschine im Betrieb, auch beschrieben durch die sogenannte Mensch-Roboter-Kollaboration. Intelligente Roboter arbeiten und entscheiden selbstständig im Arbeitsprozess. Bisher waren Mensch und Roboter voneinander getrennt. Zukünftig werden sie zusammenarbeiten und als Arbeitspartner fungieren. Die Gestaltung der Mensch-Roboter-Schnittstelle muss nach den Anforderungen und Fähigkeiten des Menschen erfolgen.Der Roboter muss auf die Handlungen des Menschen reagieren können. Die Forschung in diesem Kontext konzentriert sich daher auf zwei wesentliche Schutzprinzipien:
Relevant ist in diesem Zusammenhang auch die Sicherheit im Prozess. Fertigungssysteme werden komplexer, da sie übergreifend vernetzt werden können. Die gesundheitliche Wirkung durch das Arbeitssystem als Ganzes muss betrachtet werden. Dazu gehört eine ganzheitliche Aufstellung der Gefährdungsbeurteilung. Betrachtet werden dann alle relevanten Gefährdungsfaktoren und deren Wechselwirkungen. Die Prävention muss schon in der Entwicklung von Anlagen und Arbeitsplätzen berücksichtigt werden.
Die Tätigkeiten der Beschäftigten werden zunehmend überwachend sein. Wenn Maschinen und Anlagen autonom agieren, ist ein Eingreifen in den laufenden Prozess oder die Einstellung neuer Arbeitsschritte nicht erforderlich. Vielmehr müssen Störungen wahrgenommen und an diesen gearbeitet werden, wenn die Anlagen sich nicht selbst helfen können. Besondere Anforderungen an die Fertigkeiten und Fähigkeiten des Beschäftigten werden gestellt, weil die Komplexität von Produktionssystemen zunimmt. Diesen muss im Rahmen von Qualifizierungen Rechnung getragen werden.
Die Industrie 4.0 ermöglicht aber auch neue Ansätze für die Ergonomie und den Schutz der Beschäftigten am Arbeitsplatz.
Adaptive Assistenzsysteme ermöglichen die Unterstützung von Beschäftigten. Diese kann konkrete körperliche Einschränkungen betreffen, eine ergonomische Hilfe sein oder hilfreiche Informationen über überwachende hinweisgebende Funktionen oder Datenbrillen liefern. Möglich ist ebenso die Unterstützung bei geistigen Einschränkungen, indem beispielsweise Arbeitsschritte dezidiert vorgegeben werden.
Exoskelette oder Fähigkeitsverstärker sind eine physische Assistenz, um Beschäftigte zu entlasten (z.B beim Tragen schwerer Lasten)oder um körperliche Einschränkungen auszugleichen. Ziele sind
Einzelne Arbeitsplätze, z.B. in der Montage, stellen sich auf den einzelnen Beschäftigten ein, etwa durch Beleuchtung, Höhe des Arbeitstisches, Schriftgröße und Sprache auf dem Monitor, Informationstiefe entsprechend des Einarbeitungs- und Erfahrungsgrades. Dies ist möglich durch tragbare Bluetooth-Tags, die die Profile der einzelnen Beschäftigten enthalten.
Assistenzsysteme können die Aktionen der Beschäftigten erkennen und sie auf Probleme und Verbesserungspotenziale hinweisen. Möglich sind beispielsweise
Mobile Endgeräte und Datenbrillen ermöglichen die Bereitstellung von Daten zum Arbeitsplatz in Echtzeit oder von Informationen zur Sicherheit am Arbeitsplatz.
Persönliche Schutzausrüstung (PSA) kann intelligent gestaltet werden. Diese schützt unabhängig vom Verhalten des Beschäftigten. Sensortechnik ermöglicht die Überwachung von Körperfunktionen oder Umgebungsbedingungen, so dass die PSA in der Lage ist, kritische Situation z.B. an eine Einsatzleitung zu melden oder Maschinen selbsttätig abzustellen. Anwendungsfälle sind hierzu aus dem Bereich der Feuerwehrschutzkleidung und dem Forst bekannt.
Durch die zunehmende Vernetzung und Globalisierung nehmen die zeitliche und örtliche Flexibilität des Arbeitens zu. Neu ist das nicht, nur das Ausmaß und die Möglichkeiten können sich erhöhen. Beispielsweise können Beschäftigte der Produktion Anlagen über ihr Smartphone steuern und haben daher neben den am Computer Tätigen die Möglichkeit, außerhalb des Betriebs zu arbeiten. Die zeitliche und örtliche Flexibilität fördert zwar den Handlungsspielraum und die Eigenverantwortung und trägt zur sogenannten Work-Life-Balance bei, jedoch führt sie auch zu einer ständigen Erreichbarkeit, der Vernachlässigung von Erholungszeiten und der Überschreitung von eigenen Leistungsgrenzen. Die sogenannte Entgrenzung nimmt zu. Die zunehmende Beschäftigung von Crowdworkern und Freelancern durch Unternehmen verstärkt diese Effekte und eröffnet die Frage nach der Verantwortung für gesundheitsförderliche Arbeitsbedingungen bei solchen „Beschäftigten“.
Zudem ist zu beachten, dass das hohe Niveau des deutschen bzw. europäischen Arbeits- und Gesundheitsschutzes auch global berücksichtigt wird, wenn eine Kontinente übergreifende Zusammenarbeit stattfindet.
Ambivalenz
Im Zusammenhang mit dem Internet der Dinge wird die Tatsache einer möglichen Überwachung der Nachvollziehbarkeit von Verhalten von Beschäftigten als kritisch angesehen. Dort, wo sich Montagearbeitsplätze individuell auf den Nutzer einstellen und intelligente Wearables Körperfunktionen aufzeichnen, können auch Daten über die Leistungsfähigkeit, den Aufenthalt und vergleichende Informationen erhalten werden. Daher ist eine klare Vereinbarung über die Sammlung, Speicherung und Verwendung von personenbezogenen Daten erforderlich, die gesetzlich gestützt ist.
Gefährdungen und Belastungen bei der Arbeit zeigen sich häufig erst im langjährigen Tätigkeitsverlauf (z.B. chronische Erkrankungen). Da das Ziel die Gesundheit der Beschäftigten ist, sind Untersuchungen zur Wirkung neuer Systeme und Arbeitsmittel auf die körperliche und psychische Gesundheit der Beschäftigten erforderlich. Für die Datenbrille hat die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) Forschungsberichte herausgegeben. Diese stehen exemplarisch für die Forderungen nach Untersuchungen.
Die betriebsübergreifende bis hin zur globalen Vernetzung erfordert zudem eine ganzheitliche Sicht auf die Datensicherheit. Sabotage, Spionage oder Angriffe auf Daten müssen vermieden werden. Daher muss eine bisher oft betriebsintern realisierte Datensicherheit erweitert werden.
Der digitale Transfer ist ein kontinuierlicher und laufender Prozess. Heute befassen sich große und mittlere Unternehmen mit der Industrie 4.0 und der smart factory, in erster Linie, um die eigene Produktivität und Innovationskraft im Wettbewerb am globalen Markt zu behaupten. Kleine und mittlere Unternehmen sind davon weitestgehend noch nicht betroffen. Vielfach wird in den Betrieben gerade an der Einführung von 3.0 gearbeitet, an dem Einsatz moderner Computertechnik, an der Beschaffung programmierbarer Werkzeugmaschinen, an der Bereitstellung von Informationen via Tablet und Smartphone und an der Option, Arbeitstätigkeiten auch von zu Hause aus durchführen zu können. Bei der Beurteilung von Gefährdungen und Belastungen und der Festlegung von Maßnahmen ist dieser Prozess zu berücksichtigen. Und es muss der Frage nachgegangen werden, wie diese verschiedenen Updates ergonomisch verknüpft werden können.
| Das Projekt Prävention 4.0 |
| Das Projekt Prävention 4.0 geht der Frage nach, wie die neue, digitale Arbeitswelt 4.0 zu gestalten ist; sowohl im Hinblick auf die Produktivität als auch für die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten. Das auf drei Jahre angelegte Projekt ist ein Verbundprojekt, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird. Ziel ist die Entwicklung konkreter Handlungsempfehlungen und Leitlinien für die Umsetzung im betrieblichen Alltag, damit die Akteure in den Betrieben die Potenziale der betrieblichen Prävention in der digitalisierten Arbeitswelt wirkungsvoll nutzen können. Der VDSI – Verband für Sicherheit, Gesundheit und Umweltschutz bei der Arbeit übernimmt innerhalb des Projektes das Teilvorhaben ‚Arbeitsschutz in der Arbeitswelt 4.0‘. Schwerpunkte sind die technische Sicherheit von Maschinen und Anlagen, die prozessübergreifende Sicherheit sowie Unterstützungstechnologien für Beschäftigte. Als Verbundpartner sind an dem Projekt beteiligt: - BC GmbH Forschungs-und Beratungsgesellschaft, Wiesbaden - Institut für angewandte Arbeitswissenschaft e. V. – ifaaDüsseldorf - Institut für Betriebliche Gesundheitsförderung – BGF GmbH, Köln - Institut für Mittelstandsforschung –IfM Bonn - Institut für Technik der Betriebsführung im Deutschen Handwerksinstitut e. V. – itb Karlsruhe - Sozialforschungsstelle Dortmund, ZWE der TU Dortmund – sfs - VDSI – Verband für Sicherheit, Gesundheit und Umweltschutz bei der Arbeit e. V. - Forum Soziale Technikgestaltung–FST |
Literatur
Bauer, W. (2015): Forschungsperspektivenzur Arbeitsgestaltung in der digitalisierten Welt.Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO, Stuttgart, Vortrag 28.05.2015 zur BMBF-Fachtagung „Arbeit in der digitalisierten Welt“.
Bauernhansl et al. (Hrsg.) (2015): Industrie 4.0 in Produktion, Automatisierung und Logistik. Springer Fachmedien.
Botthoff, A. (2015): Zukunft der Arbeit in Industrie 4.0. Springer Vieweg.
Bundesministerium für Arbeit und Soziales (2015): Grünbuch. Arbeiten 4.0.
Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (2016): Arbeiten in der digitalen Welt.
Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (2016): Neue Formen der Arbeit, neue Formen der Prävention.
| Die Autorin |
| Katrin Zittlau ist Fachbereichsleiterin Demografie und Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt Prävention 4.0 im VDSI – Verband für Sicherheit, Gesundheit und Umweltschutz bei der Arbeit. Außerdem ist sie selbständig tätige Sicherheitsingenieurin und Arbeitspsychologin. |
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