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TK-Gesundheitsreport  
05.07.2018

Mehr als jeder Zweite scheidet zu früh aus dem Arbeitsleben aus

ESV-Redaktion Arbeitsschutz/TK
Ältere brauchen die meisten Arzneimittel (Foto: Techniker Krankenkasse)
Der demografische Wandel bedeutet nicht nur für die Rentenkassen eine große Herausforderung. Da die Menschen in Deutschland künftig länger berufstätig sein werden, ist es besonders wichtig, dass sie möglichst lange gesund und einsatzfähig bleiben. Hier gibt es allerdings noch großen Handlungsbedarf, wie Auswertungen des Gesundheitsreports der Techniker Krankenkasse (TK) zeigen.

Laut Report scheidet mehr als jeder zweite Erwerbst�tige vor dem offiziellen Renteneintrittsalter aus dem Arbeitsleben aus. Darunter jeder Siebte (13,5 Prozent) aufgrund von Berufsunf�higkeit, Erwerbsunf�higkeit oder Schwerbehinderung.

"Ein weiteres Drittel der Berufst�tigen, die fr�her aus dem Erwerbsleben ausscheiden, hat zwar genug Berufsjahre zusammen, nimmt aber deutliche finanzielle Einbu�en in Kauf, um fr�her in Rente zu gehen", so Dr. Thomas Grobe vom Institut f�r angewandte Qualit�tsf�rderung und Forschung im Gesundheitswesen (aQua), das die TK-Daten ausgewertet hat. "Besonders h�ufig sind von einer Fr�hverrentung Besch�ftigte mit k�rperlich belastenden Berufen betroffen." So ist das Risiko, berufs- oder erwerbsunf�hig zu werden, im Bau- und Holzgewerbe 1,8-mal h�her als in der Vergleichsgruppe. Das gilt auch f�r Verkehrs- und Lagerarbeiter (1,6-mal h�heres Risiko) sowie f�r die Besch�ftigten aus der Metallbranche (fast 1,6-mal h�heres Risiko).

Gesundheitliche Auff�lligkeiten vor Renteneintritt���

�ltere Besch�ftigte brauchen au�erdem die meisten Arzneimittel. Sie erhielten mit 665 Tagesdosen fast drei Mal so viel Arzneimittel wie der Durchschnitt der Erwerbst�tigen (245 Tagesdosen). Dabei machten Herz-Kreislauf-Medikamente den gr��ten Anteil aus - im Schnitt bekamen die 60- bis 64-J�hrigen 2017 davon pro Kopf Pr�parate f�r 344 Tage. Das ist rund viermal so viel wie der Durchschnitt der Berufst�tigen (90 Tagesdosen pro Kopf). Auch bei den Medikamenten f�r das Nervensystem, �berwiegend Antidepressiva, zeigen sich deutliche Unterschiede. So erhielten die Berufst�tigen zwischen 60 und 64 Jahren im Schnitt 34 Tagesdosen im Jahr, bei den Berufst�tigen insgesamt waren es durchschnittlich nur knapp 22 Tagesdosen.

Betriebliches Gesundheitsmanagement wird k�nftig an Bedeutung gewinnen

Dr. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK: "Das sind Zahlen, die uns zu denken geben sollten. Es n�tzt nichts, das Renteneintrittsalter immer weiter hochzuschrauben, wenn schon heute nicht einmal jeder Zweite so lange arbeitet. Wir m�ssen daf�r sorgen, dass die Menschen leistungsf�hig bleiben und �berhaupt bis zum Rentenbeginn arbeiten k�nnen". Gerade vor dem Hintergrund, dass jetzt die geburtenstarke Generation der Babyboomer langsam ins Rentenalter kommt, betont der TK-Chef: "Politik, Unternehmen, aber auch wir Krankenkassen sind gefragt, hier schnell L�sungen zu entwickeln. Zum einen, damit die Menschen l�nger gesund bleiben, und zum anderen auch, um den Wissenstransfer von einer Erwerbs-Generation in die n�chste zu gew�hrleisten. In diesem Zusammenhang wird das Gesundheitsmanagement k�nftig wesentlich an Bedeutung gewinnen", so Baas.�

Im Rahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) geht die TK direkt in die Unternehmen und entwickelt gemeinsam mit den Firmen individuelle L�sungen, wie die Gesundheit der Mitarbeiter in den einzelnen Lebensphasen gef�rdert und langfristig erhalten werden kann. Bereits seit 2011 vergibt die TK au�erdem gemeinsam mit dem Bundesverband Deutscher Unternehmensberater einmal im Jahr den Demografie-Exzellenz-Award (DEA) an herausragende Personal-Projekte, die L�sungen f�r die betrieblichen Auswirkungen des demografischen Wandels gefunden haben.

Gesundheit darf auf dem Weg zur Rente nicht auf der Strecke bleiben

"Um als Arbeitgeber attraktiv zu sein, muss ich das Signal senden, dass ich mich um meine Mitarbeiter k�mmere - auch in gesundheitlicher Hinsicht", so Baas. "Gut ausgebildete Fachkr�fte sind in vielen Branchen Mangelware und viele Arbeitgeber suchen h�nderingend gute Leute. Schon heute ist Gesundheit ein wichtiger Recruiting-Faktor. Die Arbeitgeber d�rfen hier aber keine Einzelk�mpfer sein. Das ist eine Aufgabe f�r uns alle. Als Krankenkasse sehen wir es als unsere Aufgabe, die n�tige Expertise zu liefern. Unser Ziel muss sein, dass in Zukunft auf dem Weg zur Rente nicht mehr jeder Zweite gesundheitlich auf der Strecke bleibt."

Gesundheitsf�rderung als Wettbewerbsfaktor in den Unternehmen

Das haben viele Unternehmen bereits erkannt und investieren in die Gesundheit ihrer Mitarbeiter. "Die Sicherung der Leistungs- und Arbeitsf�higkeit der Besch�ftigten, der Wettstreit um Fachpersonal, die Herausforderungen, eine sich immer schneller wandelnde Arbeitswelt zu meistern und Zeit effizient zu nutzen - dies sind Aufgaben, die sich Arbeitgebern unabh�ngig von der Branche stellen", so Dana Lafuente, Leiterin der Abteilung Mitarbeiterf�rderung des Max-Delbr�ck-Centrums f�r Molekulare Medizin. "Inzwischen gibt es auf unserem Campus ein strukturiertes, einrichtungs�bergreifendes Betriebliches Gesundheitsmanagement f�r alle Besch�ftigten. Wir haben ein Fitnessstudio, das rund um die Uhr ge�ffnet ist, sowie ein reichhaltiges Kursangebot. Workshops und Seminare zu Gesundheitsthemen wie "Resilienz im beruflichen Kontext" oder "Kollegiale Zusammenarbeit" und Aktionen zu Themen wie Stress und Ern�hrung runden das Angebot ab.�

Auch �ffentliche Unternehmen m�ssen Strategien entwickeln, um die �lteren Erwerbsgenerationen fit zu halten und j�ngere Arbeitnehmer mit einem attraktiven BGM-Angebot als Arbeitnehmer zu gewinnen. "Wissensverluste zu vermeiden und Nachwuchs zu gewinnen hat f�r die Berliner Wasserbetriebe, deren Altersdurchschnitt mit 51 Jahren vergleichsweise hoch ist, h�chsten Stellenwert�, sagt Kristin Kroboth, Leiterin des Betrieblichen Gesundheitsmanagement der Berliner Wasserbetriebe. So bieten sie ein breites Spektrum verzahnter Ma�nahmen von individuellen ergonomischen Arbeitsger�ten �ber flexible Arbeitszeitmodelle und Telearbeit bis zur Beratung f�r pflegende Angeh�rige. "Au�erdem haben wir gemeinsam mit unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, der Arbeitnehmervertretung sowie einem Arbeitswissenschaftler ein neues Schichtmodell entwickelt, das die Belastungen durch Schichtarbeit deutlich reduziert."

F�r den Gesundheitsreport 2018 wertete die TK die Krankschreibungen und Arzneimittelverordnungen der rund f�nf Millionen bei der TK versicherten Erwerbspersonen aus. Dazu z�hlen sozialversicherungspflichtig Besch�ftigte und Empf�nger von Arbeitslosengeld I. Der diesj�hrige Themenschwerpunkt widmet sich der Gesundheit von Erwerbsgenerationen. Die Grundlage daf�r bilden die 3,5 Millionen sozialversicherungspflichtig Besch�ftigten im Alter von 20 bis 65 Jahren �ber einen Zeitraum von f�nf Jahren (2013-2017).

Weiterf�hrende Informationen und Infografiken finden Sie zudem�auf www.presse.tk.de, Webcode 984880, und im Blogbeitrag.